| 2012 | Jan | Feb | März | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
| 2011 | Jan | Feb | März | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
| 2010 | Jan | Feb | März | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
| 2009 | Jan | Feb | März | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
| 2008 | Jan | Feb | März | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
3. Münsteraner Marathon Medizin Symposium 2010 - Dehnen oder nicht dehnen? Wissenschaftlich abgesicherte Empfehlungen für Läufer - Dr. med. Gerrit Borgmann
[25.04.2011] - Das 3. Münsteraner Marathon Medizin Symposium fand vor dem 9. Volksbank Münster Marathon statt. GRR- Sprecher Dr. Ralph Schomaker hatte - als Leiter des Symposiums und Medical Direktor des Volksbank Münster Marathon - mit seinem 3. Symposium wieder einen großen Erfolg, denn mit über 100 Teilnehmern war die Veranstaltung ausgebucht. Wir setzen heute die Reihe mit dem Referat von Dr. med. Gerrit Borgmann, Arzt für Orthopädie und Sportwissenschaftlervom ZfS-Zentrum für Sportmedizin in Münster fort. In loser Reihenfolge werden die einzelnen Vorträge und Referate auf der GRR-website (www.germanroadraces.de) vorgestellt. Wir übernehmen einzelne Veröffentlichungen der Website und bedanken uns für die Möglichkeit diese Beiträge auf unseren Seiten abzubilden.
Aktuelle Diskussion

Stretching vom Marathon Champion und U.S. Olympia Teilnehmer Meb Keflezighi vor dem Start
©Victah Sailer
In den letzten 20 Jahren erhielten neue Studien zum Dehnen eine enorme Aufmerksamkeit. Viele Grundannahmen besonders zum Stretching wurden dabei in Frage gestellt, einige sicher widerlegt. Stretching war vorher jahrzehntelang der Inbegriff "verantwortungsbewußter Sportausübung", dynamisches Dehnen hingegen als verletzungsgefährdend und ineffektiv verpönt. Leider wurden neuere Studienergebnisse zum Dehnen in den Medien oft stark verallgemeinert und damit sachlich falsch dargestellt. Dies hat zu grosser Verunsicherung auch unter Läufern geführt. Aufgrund von Nachteilen unter besonderen Bedingungen wurde Dehnen und Aufwärmen als Ganzes in Frage gestellt. Häufige Aussage: "Stretching ist Zeitverschwendung und bringt nichts. Vor dem Wettkampf verschlechtert es die Leistungsfähigkeit und nach dem Training verschlechtert es die Regeneration." Im Leistungssport erachten viele Trainer, Physiotherapeuten und Ärzte das Dehnen (und auch Stretching) weiterhin als wichtigen Bestandteil von Therapie und Training. Dies ist aber nur ein scheinbarer Widerspruch. Fragen werden oft zu allgemein gestellt: "Muß der Marathonläufer dehnen?" Den Marathonläufer gibt es aber genauso wenig wie das Dehnen. Im Alltag der Sportlerbetreuung sind andere Fragen zielführender: "Welcher Marathonläufer sollte zu welchem Zeitpunkt mit welcher der Dehnmethoden welche Muskeln dehnen, wenn er welches Ziel erreichen will?" In der Auswertung vieler Studien zum Einfluss von Dehnen auf Lauf- und Sprungleistungen fallen zudem sehr hohe Standardabweichungen auf. Dies deutet darauf hin, dass Sportler auf Dehnungen individuell sehr unterschiedlich reagieren. Ein optimale individuelle Beratung muss daher auch diesen Punkt berücksichtigen, um angepasste Dehnungsprogramme anzuwenden.
Grundlagen/Definition
Die Beweglichkeit ist eine der fünf sog. sportmotorischen Basisfähigkeiten (Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Koordination).
Definition Beweglichkeit:
"Fähigkeit, Bewegungen mit der erforderlichen Schwingungsweite ausführen zu können. Aus funktionell anatomischer Sicht liegen ihr die Gelenkigkeit und die Dehnfähigkeit zu Grunde."(Hohmann, Lames, Letzelter 2007)?
aktive Beweglichkeit:
Bewegungsweite, die der Sportler mit Hilfe der Kraft der Antagonisten selbst erreichen kann
passive Beweglichkeit:
Bewegungsweite, die der Sportler durch sein eigenes Körpergewicht oder durch Krafteinwirkung von außerhalb erreichen kann.
Indikationen/Ziele des Beweglichkeitstrainings
- Einschränkungen der Beweglichkeit im Altersgang vermeiden
- Sicherung der Leistungsfähigkeit in Sportarten mit direkten Beweglichkeitsanforderungen (z.B. Geräteturnen, Gymnastik)
- Fähigkeit, Bewegungen durch den Aufbau einer Beweglichkeitsreserve (Schnabel, Harre u.Borde 1994) schnellkräftiger, ökonomischer und weniger verletzungsanfällig durchführen zu können, da man nicht in den Grenzbereich der möglichen Amplitude gerät.
- Muskuläre Dysbalancen vermeiden/beseitigen: Therapieformel: "Dehne die verkürzte und kräftige die abgeschwächte Muskulatur!"
- Tonusregulation Streß/Hektik, Krafttraining -> Tonuserhöhung Bewegungsmangel -> Tonuserniedrigung Stretching/Relaxationsmethoden -> Tonussenkung Aktive Dehnung -> Tonuserhöhung (Anmerkung: Die Studienlage zum "Muskeltonus" ist widersprüchlich, die Tonussteuerung trainingswissenschaftlich erst wenig untersucht)
- Psychische Wirkungen- Wohlbefinden- Abwehrfähigkeit gegen psychische Belastungen- Körperwahrnehmung -> verbessertes Körperkonzept
Techniken zum Training der Beweglichkeit
Trainingsmethoden lassen sich mit zwei Dimensionen klassifizieren:
1.) aktiv-passiv
2.) statisch-dynamisch
Aktiv: Dehnungsspannung wird von den Antagonisten des zu dehnenden Muskels aufgebracht(Vorteil: größere Nähe zur sportartspezifischen Dehnungsbelastung)?
Passiv: Dehnungsspannung wird durch die Schwerkraft, andere Muskeln als die Antagonisten oder einen Partner/Gerät in den zu dehnen Muskel eingeleitet(Vorteil: Möglichkeit der Einleitung einer höheren Dehnungsspannung)?
Statisch: Dehnposition wird langsam eingenommen und dann gehalten
Dynamisch: das Gelenk wird auf eine intermittierende, rhythmisch-ballistische Weise in die maximale Dehnposition geführt
Aktiv-Dynamisch: "Schwunggymnastik"
Aktiv-Statisch: Antagonisten-Stretching
Passiv-Dynamisch: z.B. Partnerübungen
Passiv-Statisch: Klassisches Stretching
Statisches Dehnen – ("Stretching")
- "gehaltenes Dehnen", auch static stretching (SS) genannt
- Langsames Aufdehnen der Muskulatur bis kurz vor die Schmerzgrenze, in dieser Position meist etwa 20-30 Sekunden halten
- Aktiv-statisch (Antagonisten), passiv-statisch (z.B. mit Hilfe des Körpergewichtes oder anderer Muskeln (z.B. mit Zugunterstützung durch die Arme), ggf. mit Hilfe des Partners)?
- manche Autoren beschreiben auch folgende Einteilung: SS I: 10-15 Sekunden, SS II: bis zu 60 Sekunden, SS III: > 60 Sekunden
Dynamisches Dehnen
- auch dynamic stretching (DS) genannt
- Dynamische Dehnmethoden sind im Gegensatz zu den statischen Dehnmethoden dadurch gekennzeichnet, dass die Endposition nicht gehalten, sondern durch leichtes Federn ständig erweitert wird.
- Als Vorbereitung auf dynamische Bewegungen besser geeignet als statisches Dehnen.
- Anders als man früher glaubte, werden durch dynamische Dehnungen weder Verletzungen noch Reflexe ausgelöst
Anspannungs-Entspannungs-Dehnen
- Auch CHRS (contract-hold-relax-stretch)-Dehnung oder CR (contract-relax)-Dehnung genannt
- Sehr effektive Methode
- Vor der eigentlichen Dehnphase von 20-30 Sekunden erfolgt für 6 bis 10 Sekunden eine isometrische Anspannung des zu dehnenden Muskels mit anschließender kurzer Entspannung
Agonistische Kontraktion und Dehnen
- Auch AC (agonist contract)-Dehnung genannt
- Sehr effektive Methode
- Der Sportler nimmt aktiv unter Kontraktion seiner agonistischen Muskulatur die Dehnstellung ein, um die antagonistische Muskulatur zu dehnen
Anspannen-Entspannen-Agonistische Kontraktion und Dehnen (CR-AC)
- Langfristig studienübergreifend wahrscheinlich die effektivste Dehnmethode, um die Gelenkamplitude zu erweitern (gefolgt von (AC, DS (dynamic stretching), CR und SS (static stretching) (Vgl. Klee 2003)
- zusätzlich zur AC-Dehnmethode wird der Dehnung eine Kontraktion des folgend zu dehnenden Muskels vorrausgeschaltet
Trainingsziel – Trainingsmethode
Erhöhung der Gelenkbeweglichkeit -> alle Dehnmethoden prinzipiell möglich; wenn ausgeprägte Beweglichkeit erreicht werden soll: Langzeitprogramme mit maximaler Dehnintensität unter Einbeziehung passiv-statischer Methoden. Die CR-AC-Methode zeigt studienübergreifend langfristig sehr gute Verbesserung der Beweglichkeit
Aufwärmen -> aktiv-dynamische Dehnübungen, Dehnübungen struktur-gleich zu folgenden Belastungen
Senkung des Muskeltonus, Entspannung, Wohlbefinden -> Aktiv-statische Dehnübungen
Verbesserung der sportartspezifischen Beweglichkeit -> Aktiv-dynamische Übungen, die sportartspezifischen Dehnbelastungen imitieren, Krafttraining der Antagonisten
Prävention von Zerrungen/Muskelfaserrissen -> kurzfristig: angemessenes Aufwärmen, langfristig: Verbesserung der speziellen Beweglichkeit, Erhöhung der Beweglichkeitsreserve, Berücksichtigung individueller muskulärer Dysbalancen, alle Dehntechniken möglich
Erhöht Dehnen die Beweglichkeit?
Ja. Verantwortlich dafür ist v.a. eine veränderte Schmerzwahrnehmung. Parallel zur verbesserten Beweglichkeit steigt der Dehnungswiderstand an, da mehrwöchiges Dehnen das Gewebe festigt.
Mittel- und langfristig führt Stretching auch zu strukturell-plastischen Anpassungsvorgängen beim kollagenen Material und damit zu einer dauerhaften Verbesserung der Beweglichkeit (Ullrich u. Gollhofer 1994)?
Erhöht Dehnen die Leistungsfähigkeit?
Jein. In einigen Sportarten ist eine Vergrößerung der Beweglichkeit leistungsfördernd bzw. eine eingeschränkte Beweglichkeit leistungslimitierend. Beispielhaft sind hier Sportarten wie z.B. Ballett oder Turnen zu nennen. Aber auch bei anderen Sportarten wie z.B. Laufen kann eine ausgeprägte Verkürzung z.B. der ischiokruralen Muskulatur zu Folgeproblemen führen.
Jein. Ausgiebiges statisches Dehnen direkt vor Schnellkraftleistungen wie z.B. bei Sprung- oder Sprintdisziplinen kann zu Leistungsverlusten führen.(Vgl. Hennig u. Podzielny 1994, Wiemann u. Klee 2000)?
Statisch-passives versus aktiv-dynamisches Dehnen vor Schnellkraftleistungen
Zeitnah vor Schnellkraftbelastungen sollten aktiv-dynamische Dehnübungen vorgezogen werden. Die Effekte beider Methoden auf die Beweglichkeit können als gleichwertig angesehen werden (Vgl. Wiemann u. Klee 2000)?
Ist Dehnen vor Ausdauerleistungen sinnvoll?
Jein.- Freizeitsportler: Viele Sportler empfinden Dehnen als angenehm, weil sie sich danach "lockerer" fühlen. Negative Effekte sind nicht belegt.
Jein.- Leistungssportler: In einigen Untersuchungen zeigt sich ein geringer Sauerstoffverbrauch bei definierten Laufgeschwindigkeiten bei "steiferen" Sportlern als Hinweis auf eine höhere Laufökonomie bei höherem Gewebswiderstand. Andere Studien mit Ausdauerläufern zeigen diese Unterschiede nicht. Sicher ist, dass diese Effekte gering sind und für den Freizeitsportler keinerlei Relevanz haben.
Ja - Sportler mit muskulären Dysbalancen Beispiel: Besteht bei einem Läufer eine Einschränkung der Dorsalextension des Sprunggelenkes oder der Extension (Streckung) des Hüftgelenkes, so kann ein Dehnen vor einem Lauf durchaus leistungsfördernd sein, da es dem Sportler hier u.U. schneller und einfacher gelingt, ein flüssiges Laufbild mit einer ausreichend grossen Schrittweite zu realisieren.
Hilft Dehnen Verletzungen zu verhindern?
Unklar. Obwohl seit Jahren zur Verletzungsprophylaxe empfohlen, ist die Datenlage hierzu widersprüchlich. Nach neueren Studien muß davon ausgegangen werden, daß Aufwärmen und Koordinationstraining einen höheren präventiven Wert hat.
Hilft Dehnen gegen Muskelkater?
Nein. Dehnungen vor oder nach sportlicher Betätigung haben keinen bedeutsamen Einfluß auf die Entstehung, die Stärke und das Abklingen des Muskelkaters.Besser: Belastungen langsam steigern. Bei bestehendem Muskelkater am nächsten Tag noch einmal die gleiche Bewegung mit halber Intensität und halbem Umfang durchführen.
Fördert Dehnen die Regeneration?
Nein.- Exzessives statisches Dehnen nach intensiver Muskelarbeit kann sogar die Wiederherstellunge muskulärer Parameter (z.B. Abbau von Laktat, muskuläre Entspannungsfähigkeit) negativ beeinflussen. Besser: Auslaufen bei niedriger Intensität Aber: Bei Freizeitsportlern ist die Verzögerung der Regeneration selbst bei exzessivem statischen Dehnen unerheblich.
Sollten Marathonläufer dehnen?
Antwort hängt u.a. vom Beweglichkeitsbefund des Läufers ab:
Ja, unbedingt: Läufer mit muskulären Dysblancen mit und ohne daraus resultierenden Problemen -> Dehnen und Kräftigen
Ja, wenn man möchte: Läufer ohne muskuläre Dysbalancen -> Dehnen nicht so wichtig wie Kräftigung der Arbeitsmuskulaturantagonisten (Gegenspieler)?
Nein: hypermobile (überbewegliche) Sportler -> kein Dehnen, aber Kräftigungsübungen der Arbeitsmuskulaturantagonisten
Wann sollten Marathonläufer dehnen?
Guter Zeitpunkt:- nach leichtem Training, nach dem Krafttraining der Antagonisten, nach dem Rumpfstabilisations- und Haltungstraining, nach regenerativen Anwendungen
aber: - kein exzessives statisches Dehnen vor Wettkampf und Training- kein exzessives statisches Dehnen nach Wettkampf und hartem Training- kein exzessives statisches Dehnen nach Koordinations- und Propriozeptionstraining (Dehnen stört u.U. die gewünschten Anpassungsvorgänge der Muskulatur nach dem Propriozeptionstraining)?
Die 5 "Pflichtdehnbereiche" für Marathonläufer
Möchte man unabhängig von einer muskulären Dysbalance ein allgemeines Dehntraining für Marathonläufer zusammenstellen, stehen v.a. die folgenden Bereiche im Fokus: Oberschenkel vorne (M. rectus femoris, M. iliopsoas), Oberschenkel hinten (ischiocrurale Muskulatur), Oberschenkel innen (Hüftadduktoren), Oberschenkel außen (M. tensor fasciae latae) und Wadenmuskulatur (M. soleus, M. gastrocnemius). Brustmuskulatur (M. pectoralis), Nackenmuskulatur (M. trapezius, M. levator scapulae) und die untere Lendenwirbelsäule (M. erector truncae) zeigen ebenfalls häufig Verkürzungen.
Besonders ältere und leistungsorientierte Läufer sollten auch zusätzliche, individuelle Problembereiche ins Dehnprogramm aufnehmen.
Dr. med. Gerrit Borgmann
Arzt für Orthopädie
Sportwissenschaftler
ZfS-Zentrum für Sportmedizin
Tel. 0251/1313620
www.zfs-muenster.de
E-Mail:gerrit.borgmann@zfs-muenster.de
Quelle: germanroadraces.de
Körperliche Aktivität und Krebs - Priv.-Doz. Dr. med. Fernando C. Dimeo - Charité Universitätsmedizin Berlin
[17.04.2011] - Körperliche Aktivität und Sport spielen eine immer wichtigere Rolle in der Prävention, Behandlung und Rehabilitation chronischer Erkrankungen. Noch im vorigen Jahrhundert galt für viele Erkrankungen die traditionelle Empfehlung von Ruhe und Schonung. Besonders Tumorpatienten wurden zu diesem Zeitpunkt von körperlicher Aktivität abgeraten. Aber in den vorigen 10 Jahren haben zahlreiche Studien die positiven Auswirkungen von Sport bei Tumorerkrankungen gezeigt. Es liegen bereits zahlreiche Berichte über die günstigen Auswirkungen von körperlicher Aktivität bei Patienten in unterschiedlichen Situationen vor. Sie beziehen sich auf die drei Aspekte Prävention, Behandlung und Rehabilitation.

Körperliche Aktivität und Krebs - Priv.-Doz. Dr. med. Fernando C. Dimeo - Charité Universitätsmedizin Berlin
©privat
Die Rolle von körperlicher Aktivität in der Prävention von Brustkrebs
Zahlreiche Studien haben evaluiert, ob Sport Krebs vorbeugen kann. Besonders interessant ist die Frage im Bezug auf den Brustkrebs, die häufigste Tumorerkrankung bei Frauen. Obwohl die Ursache des Brustkrebses nicht bekannt ist, gibt es eine Reihe von Faktoren, die seine Entstehung begünstigen. Bei Brustkrebs hat man als Risikofaktoren ein erhöhtes Körpergewicht, hormonelle Veränderungen, eine familiäre Veranlagung, fettreiche Ernährung, Alkoholkonsum und orale Kontrazeptiva festgestellt.
Einige dieser Faktoren lassen sich durch Änderung der Gewohnheiten modifizieren; dadurch wird eine Senkung des Risikos erreicht, an Brustkrebs zu erkranken. Zu den günstigen Faktoren, die eine lange Zeit unterschätzt wurden, gehört Sport.
Mehrere Untersuchungen haben eine Auswirkung von körperlicher Aktivität auf die Entstehung von Tumoren gezeigt. Frauen, die regelmäßig Sport treiben, erkranken in der Tat seltener an Brustkrebs. Dieser Zusammenhang ist besonders deutlich bei Frauen über 35 Jahre. Obwohl junge Frauen auch vom Sport profitieren, sind bei ihnen offensichtlich die genetischen Merkmale, die zu einer Tumorerkrankung führen können, besonders ausgeprägt, so dass die schützende Auswirkung von Sport verringert wird.
Aber die Tatsache, dass ältere Frauen besonders vom Sport profitieren, zeigt deutlich, dass es nie zu spät ist, ein regelmäßiges Trainingsprogramm aufzunehmen. Wichtig ist auch das Maß an körperlicher Betätigung, das für eine Senkung des Krebsrisikos notwendig ist. In diesem Punkt sind sich die Fachorganisationen einig: Es muss nicht gleich ein Marathon sein, ein Trainingsprogramm von drei bis viermal die Woche über 40 bis 45 Minuten bringt ein Optimum an Schutz.
Körperliche Aktivität während der Behandlung
Die aktuelle Behandlung des Krebses steht auf den vier Säulen Operationen, Bestrahlung, Chemo- und Hormontherapie. Diese Methoden, die bei vielen Patienten und Patientinnen in einer Heilung resultieren, sind jedoch mit zahlreichen Nebenwirkungen behaftet. Dazu gehören in erster Linie die Müdigkeit und die Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Diese Probleme können durch ein regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining erfolgreich bekämpft werden.
Die Erfahrung in den letzten 15 Jahren hat gezeigt, dass körperlich aktive Patienten die Chemotherapie und Bestrahlung deutlich besser vertragen, weniger Nebenwirkungen spüren und viel schneller im Stande sind, ihre alltäglichen Aktivitäten nach Ende der Behandlung wieder aufzunehmen.
Die Charité Universitätsmedizin Berlin ist in diesem Gebiet Welt führend: Seit mehreren Jahren haben bei uns Patienten die Möglichkeit, ein angepasstes, systematisches Training zur Verbesserung der Kondition sogar während der Therapie durchzuführen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass auch geschwächte Patienten sehr schnell und deutlich von einem geeigneten Trainingsprogramm profitieren.
Körperliche Aktivität in der Rehabilitation von Krebs
Die chirurgischen Techniken zur Entfernung eines Tumors haben sich in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert und verfeinert. Trotzdem führt diese Behandlung manchmal zu einer Einschränkung der Beweglichkeit. Gleichzeitig werden bei der Operation Lymphknoten entfernt, so dass der Abfluss von Flüssigkeiten aus dem betroffenen Areal eingeschränkt ist. Diese Probleme, die Einschränkung der Beweglichkeit und die Schwellungen, können durch eine gezielte Sporttherapie erfolgreich behandelt werden.
Zusätzlich führt ein regelmäßiges Training zu einer Verbesserung der Stimmung, einer Zunahme der Lebensqualität und dadurch zu einer besseren und erfolgreicheren Bewältigung der Krankheit. Nicht zuletzt kann Sport einen Beitrag zur Lebensverlängerung leisten: Die Ergebnisse einer Studie mit mehreren Tausend Probandinnen weisen darauf hin, dass Patientinnen, die nach der Diagnose körperlich aktiv geblieben sind, eine bessere Prognose haben. Auch in diesem Fall genügte ein Sportprogramm von zwei bis drei Stunden Sport verteilt auf drei bis vier Sitzungen pro Woche, um eine deutliche Senkung des Risikos von Rezidiven zu erreichen.
Wie gestaltet man ein Trainingsprogramm?
Patienten, die ein Sportprogramm beginnen möchten, sollten zuerst Rücksprache mit dem behandelnden Arzt halten. Sport ist in der Tat sehr selten kontraindiziert, es gibt jedoch einige Situationen wie zum Beispiel die Einschränkung der Blutgerinnung während der Chemotherapie, die eine Anpassung der Belastung erforderlich machen. Häufig erhalten die Patientinnen Medikamente, die zu einer Einschränkung der Herzfunktion führen können. Auch in diesem Fall ist eine Rücksprache mit dem Arzt erforderlich, bevor ein Sportprogramm aufgenommen werden kann. Sport kann allein oder in der Gruppe durchgeführt werden. In Berlin gibt es zahlreiche Einrichtungen, die Sportgruppen für Patienten anbieten. Viele Betroffene erleben die Unterstützung durch die Gruppe als sehr hilfreich, andere Patienten möchten jedoch schnell zurück zur Normalität und ziehen deswegen das Training zusammen mit Gesunden zum Beispiel im Sportverein oder in Fitnessstudio vor. Bei Patienten, die noch eine Chemotherapie oder Bestrahlung erhalten, ist eine engmaschige Betreuung sinnvoll. Die Medikamente können bei diesen Patienten eine Einschränkung der Blutbildung verursachen, so dass die Funktion des Immunsystems und die Blutgerinnung eingeschränkt sind. In diesem Fall ist das Training im Freien, vor allem während der Wintermonate, nicht ratsam.
Das Training sollte eine Kombination von Ausdauer-, Koordinations- und Kraftübungen beinhalten und mindestens dreimal pro Woche über 30 bis 40 Minuten durchgeführt werden. Vor allem am Anfang des Programms ist die Einleitung durch erfahrene Übungsleiter oder -leiterinnen unentbehrlich. Genauso wie bei jeder Behandlung, sind bei einer Sporttherapie Beständigkeit und Geduld ausschlaggebend für den Erfolg.
Aber ein richtig dosiertes Training führt bereits nach wenigen Tagen zu einer deutlichen Steigerung des Wohlbefindens. Dieses Phänomen belegt eindeutig die engen Zusammenhänge zwischen Körper und Psyche und beweist, dass Sport für die Patienten eine wirksame Maßnahme nicht nur gegen die Defizite als Folge der Krankheit und der Behandlung, sondern auch zur Verbesserung der Lebensqualität darstellt.
Körperliche Aktivität und Sport werden in der Zukunft eine immer wichtigere Rolle in der Prävention und Behandlung chronischer Erkrankungen einnehmen. Deswegen sollten alle Schränke und Ängste abgebaut werden, die ihnen den Zugang zum Sport erschweren. Die Erweiterung der bereits fortgeschrittenen Kooperation zwischen medizinischen Einrichtungen, Sportorganisationen und Betreuern wird zu einer deutlich breiteren Anwendung von Sport und körperliche Aktivität und dadurch zu einer Verbesserung der Versorgung von Tumorpatienten in Berlin führen.
Priv.-Doz. Dr. med. Fernando C. Dimeo
Bereich Sportmedizin
Charité Universitätsmedizin Berlin
Campus Benjamin Franklin (CBF)
Hindenburgdamm 30,
12203 Berlin
Tel: +49 30 8445 - 0
Priv.-Doz. Dr. Fernando Dimeo ist der Medical-Direktor von "BERLIN LÄUFT ..." - Er arbeitete auch im Medical-Board des Berlin-Marathon. Der 43-jährige Argentinier lebt seit 1996 in Berlin und leitet den Bereich Sportmedizin der Charité im Campus Benjamin Franklin Steglitz. Der Mediziner, der 1990 nach einer Urlaubsreise in Deutschland blieb, hat eine Marathon-Bestzeit von beachtlichen 2:19 Stunden und war 1993 Berglaufmeister von Baden-Württemberg. Fernando Dimeo ist nebenbei als sportmedizinischer Berater für Spiegel-Online tätig. Er ist sportlich sehr aktiv, ist verheiratet und hat drei Kinder.
Quelle: germanroadraces.de
„Wenn das Laufen auf die Knochen geht ..." - Erkennung und Vorbeugung von Stressfrakturen bei Läufern - Skriptum zum Vortrag von Dr. med. Ralph Schomaker am 11.09.2010 beim 3. Münsteraner Marathon Medizin Symposium.
[05.04.2011] - Viele Läufer haben in Ihrem Läuferleben einen Überlastungsbruch erlitten und wissen dies vielfach nicht! Die Leidensgeschichte ist immer die Selbe: Hartnäckige Schmerzen der Schienbeinkante, des Mittelfußes oder der Leisten-/Hüftregion zwingen zum Trainingsabbruch und führen zum Besuch beim Orthopäden.

©Dr. Ralph Schomaker
Devas beschrieb 1958 erstmals die Stressfrakturen des Schienbeines bei Leichtathleten. Am 10.09.2010 fand im Institut für Aus- und Fortbildung der Polizei NRW in Münster das "3. Münsteraner Marathon-Medizin-Symposium" statt. Nachfolgend finden Sie abstracts / Präsentationen zu den Vorträgen der Veranstaltung.
Im Röntgenbild ist in der Mehrzahl der Fälle kein Knochenbruch zu sehen und so lautet die Verlegenheitsdiagnose oft „Knochenhautentzündung" oder „Sehenansatzschmerz (Tendinopathie)". Doch auch unter Gabe von schmerz- und entzündungsstillenden Medikamenten stellt sich in den kommenden 6-8 Wochen keine anhaltende Besserung ein und alle Versuche eines Wiederbeginns des Trainings scheitern. Was steckt hinter diesen langwierigen Beschwerdeverläufen?
Verschiedene Körperregionen des Läufers passen sich unterschiedlich schnell an ein Lauftraining an: Das Herzkreislaufsystem zeigt nach wenigen Tagen Anpassungsreaktionen. Die Muskulatur und besonders Ihre Befestigungszonen am Knochen brauchen Wochen bis Monate um sich an eine Lauftrainingsbelastung anzupassen. Der Knochen hingegen ist ein vergleichsweise stoffwechselarmes Gewebe und kann je nach Vitamin-D-Versorgung und Hormonsituation Monate bis Jahre brauchen, um unter der Trainingsbelastung ein Gleichgewicht zwischen Knochenabbau und -aufbau zu erreichen.
1855 beschrieb der preußische Heereschirurg Breithaupt erstmals schmerzhafte Schwellungen des Mittelfußes bei jungen Rekruten, die vermehrter Marschbelastung ausgesetzt waren. Er vermutete Knochenbrüche der Mittelfußglieder als Ursache und nannte daher diese Beschwerden „Marschfraktur" - 42 Jahre später bewies die inzwischen erfundene Röntgendiagnostik seinen Verdacht.
Devas beschrieb 1958 erstmals die Stressfrakturen des Schienbeines bei Leichtathleten. Bis heute stammt ein Großteil der Forschungsergebnisse zum Thema aus Studien an Armeerekruten, v.a. in der israelischen Armee ist über 25 Jahre über Möglichkeiten zur Vorbeugung von Stressfrakturen geforscht worden.
Wie kommt es zu Stressfrakturen?
Es gibt im Wesentlichen zwei Ansätze, die die Entstehung von Überlastungsbrüchen beschreiben:
- Die Ermüdungstheorie geht ursächlich von einer mechanischen Überlastung (z.B. Zunahme von Trainingsintensität und Trainingsumfang von deutlich mehr als 10% pro Woche) des gesunden Knochens mit normaler elastischer Widerstandsfähigkeit aus. Wiederholte submaximale gleichförmige Belastungen führen beim Laufen zur muskulären Erschöpfung und Lastverlagerung auf den Knochen. Auch über einzelne Muskelgruppen übertragene Biegungskräfte können zu Überlastungen des Knochens führen.
- Die Insuffizienz(Schwäche)-theorie stellt strukturelle Defizite des Knochens in den Vordergrund (z.B. einen Verlust an Knochendichte (Osteoporose)). Diese können schon bei Alltagsbelastungen zu Stressfrakturen führen.
Bei Frauen stellt der Hormonhaushalt eine bedeutsame Größe dar: je öfter die Regelblutung pro Jahr ausbleibt, umso größer ist das Risiko einer Stressfraktur der Athletin. Auch Essstörungen, die zu einem Vitamin-D- und Kalziummangel führen können, kommt eine ursächliche Bedeutung zu.
Ein Verlust von 5% Knochenmasse erhöht das Risiko einer Stressfraktur um 40%!
Welche Sportler sind von Stressfrakturen primär betroffen?
Stressfrakturen machen etwa 1-5 % der Sportverletzungen aus und betreffen in erster Linie Läufer. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen sind zwischen 4,7% und 15,6% aller Verletzungen des Läufers Stressfrakturen. Frauen sind häufiger als Männer betroffen (v.a. Unregelmäßigkeiten bei der Monatsblutung und Essstörungen scheinen hier eine Rolle zu spielen). 60% aller betroffenen Sportler haben bereits zuvor eine Stressfraktur erlitten, d.h. wer einmal eine Stressfraktur erlitten hat, trägt ein erhöhtes Risiko für eine erneute Stressfraktur.
Auch Sprungsportler (Basketball, Volleyball, Handball) sind bevorzugt betroffen. Wesentlich seltener sind andere Sportarten betroffen.
Bei welcher Art von Schmerzen muß ich an eine Stressfraktur denken?
In den meisten Fällen sind die unteren Extremitäten von den andauernden Schmerzen betroffen: das Schienbein steht mit 50% der Frakturen an erster Stelle. Es folgen die Mittelfußknochen II, III und V mit 25 %, dann das Wadenbein, der Hüftknochen sowie Schambein, Fersenbein und Kahnbein.
Grundsätzlich können Stressfrakturen - je nach ausgeübter Sportart - an allen Knochen vorkommen. Arme und Wirbelsäule können z.B. bei Werfern und Schlägersportlern betroffen sein.
Wie fühlt sich eine Stressfraktur genau an?
Bei der ausgeübten Sportart handelt es sich oft um Laufen, Leichtathletik oder Basketball. Typischerweise erfolgte in der zurückliegenden zeit eine deutliche Steigerung von Trainingsumfang und/oder Trainingsintensität oder die Etablierung einer veränderten Technik. Die Schmerzen betreffen häufig das Schienbein, den Mittelfuß, das Wadenbein, die Leistenregion oder die Ferse.
Eine ursächliche Verletzung ist dem Sportler nicht erinnerlich. Meist treten die Beschwerden in der Frühphase nur unter sportlicher Belastung auf. Wenn das Training trotzdem fortgesetzt wird kommt es zu Schmerzen auch bei Alltagsbelastungen und in Ruhe. In 50% der Fälle treten die Beschwerden jedoch nicht allmählich sondern plötzlich und hochakut auf.
Es besteht ein gut lokalisierbarer oft punktförmiger Druckschmerz über dem betroffenen Knochen, im weiteren Verlauf sind spindelförmige Verdickungen und Schwellungen zu tasten. Schmerzen treten v.a. bei abrupter Lastaufnahme (Sprung, Landung, Lauf) auf.
Beschwerdeverläufe über 2 Wochen lassen an eine Stressfraktur denken; bei über 6 Wochen ist das Vorliegen einer Stressfraktur sehr wahrscheinlich.
Warum kann die Diagnose einer Stressfraktur so schwierig sein?
Beim ersten Arztkontakt sind nur etwa 40% der Stressfrakturen im Röntgenbild zu erkennen. Eindeutige Frakturzeichen (Frakturlinie, Verdickung von Knochenhaut und Knochen, lokale Kalkbildung) zeigen sich im Röntgenbild nur bei 50% der Frakturen und sind dann oft erst spät nachweisbar (zwischen 10 Tagen und 10 Wochen nach Beschwerdebeginn). Mit anderen Worten: eine normale Röntgenaufnahme eignet sich vielfach nicht, um eine Stressfraktur zu diagnostizieren.
Die Kernspintomografie (= MRT = Magnetresonanztomografie) stellt heutzutage die verlässlichste Diagnostikmethode bei Verdacht einer Stressfraktur dar. Bereits ab dem ersten Beschwerdetag können Stressreaktionen des Knochens und seiner Umgebung sehr genau erkannt werden. Ferner ermöglicht das MRT eine Schwereeinteilung in 4 Stadien.
Anhand dieser Stadien ist es möglich, jede Fraktur einer stadiengerechten Therapie zuzuführen. So wird sowohl eine „Übertherapie" (unnötig lange Ruhigstellung und Trainingspause) als auch eine „Untertherapie" (Verzicht auf eine erforderliche Operation, verlängerte Heilungszeit und komplikationshafter Verlauf mit u.U. bleibenden Schäden) verhindert.
Ein MRT bedeutet für den Läufer keine Strahlenbelastung, da im Gegensatz zum CT (Computertomografie) nicht mit Röntgenstrahlen gearbeitet wird.
Stadieneinteilung von knöchernen Ermüdungsreaktionen im MRT:
- Grad 1: periostales Ödem (Fettunterdrückung, T2-gewichtet, schnelle Spin-Echo-Frequenzen)
- Grad 2: periostales und Marködem (T2-Wichtung)
- Grad 3: Markraumödem in T1- und T2-Wichtung nachweisbar
- Grad 4: Fraktur sichtbar
- Grad 1+2 = Stressreaktionen des Knochens (schnelle Ausheilung)
- Grad 3+4 = Stressfrakturen im engeren Sinne (längere Behandlungsdauer)
Die früher angewandte Skletettszintigrafie gehört aufgrund ihrer Ungenauigkeit bei bestimmten Fragestellungen und ihrer Strahlenbelastung nicht mehr zur üblichen Diagnostik bei Verdacht auf eine Stressfraktur und wird nur noch bei speziellen Fragestellungen eingesetzt. Ein CT (Computertomografie) kann zur Planung einer möglichen OP sinnvoll sein.
Wie behandelt man eine Stressfraktur?
In Abhängigkeit von ihrer Lokalisation und ihres Stadiums (MRT-Befund) kann man Stressfrakturen in Niedrig- und Hochrisikofrakturen einteilen.
Niedrigrisikofrakturen („Low-risk-fractures") sind z.B. die Frakturen von Wadenbein, Fersenbein, II-IV Mittelfußknochen und Schambein. Sie sollten unter 6-8 Wochen Lauftrainingspause komplikationslos ausheilen. Zur Vermeidung eines zu großen Verlustes an Ausdauerleistungsfähigkeit kann begleitend Aquajogging oder Radfahren praktiziert werden. Abschwellende Schmerzmittel und lokale Kälteanwendungen können ggf. durch orthopädische Hilfsmittel (Einlagen, Bandagen) ergänzt werden. In jüngerer Zeit erweist sich auch die fokussierte extrakorporale Stosswellenbehandlung als wirkungsvolle Behandlungsalternative.
Hochrisikofrakturen („High-risk-fractures") führen mit Trainingspausen zwischen 8 und 14 Wochen oft dazu, dass eine komplette Wettkampfsaison ausgesetzt werden muß. Hierzu gehören Brüche des V. Mittelfußknochens, des Schienbeinschaftes, des Sprungbeinhalses, des Innenknöchels, der Kniescheiben und des Oberschenkelhalses. Neben Bandagen und Orthesen kommen auch Gipsanlagen über bis zu 6-8 Wochen zur Ruhigstellung in Betracht. Auch eine operative Versorgung ist bei diversen „high-risk-fractures" vielfach sinnvoll.
Als Voraussetzung für eine langsame Wiederaufnahme des Trainings gelten 2-3 Wochen Schmerzfreiheit unter Alltagsbelastung und ohne Hilfsmittel.
Welche Riskofaktoren begünstigen eine Stressfraktur?
Eine Vielzahl von möglichen Risikofaktoren werden als begünstigend für die Entstehung von Stressfrakturen angesehen oder diskutiert. Hierzu zählen:
- Laufen auf unebener oder schräger Oberflächen führt häufiger zu Stressfrakturen als das Laufen auf ebener Asphaltstraße oder gefederten Waldböden und Schwingböden.
- Sprungsportarten (Basketball, Volleyball, Handball)
- Rapide Zunahme von Trainingsumfang und/oder Intensität von deutlich mehr als 10% pro Woche
- Trainingsmonotonie, fehlender Ausgleichssport (z.B. Krafttraining oder Ballsport)
- Änderung der sportlichen Technik
- Weibliches Geschlecht (Frauen sind häufiger als Männer betroffen)
- Extreme in der Körperzusammensetzung (Über- und Untergewicht)
- Schlechte Flexibilität und Dehnbarkeit als motorische Grundeigenschaft
- Steigendes Lebensalter der Sportler
- Schlechte Grundfitness („Non-athletes"), schlechter Ausdauertrainingszustand
- Hohes Laufalter der Laufschuhe (> 800km)
- Störungen der Regelblutung: Oft ausbleibende oder ganz fehlende
- Regelblutung („Oligo- und Amenorrhoe")
- Essstörungen (v.a. Anorexie), kalziumarme Diät, Diäten im Allgemeinen
- Geringe Knochendichte (Osteoporose)
- Vitamin-D-Mangel (durch mangelnde Sonnenaufnahme durch die Haut und kalziumarme Ernährung)
- Eine Vielzahl biomechanische Faktoren kann eine auslösende Rolle Spielen. Hier ist die Beratung durch einen erfahrenen Sportorthopäden sinnvoll. Als mögliche orthopädische Risikofaktoren werden diskutiert: Hohlfuß, Rückfußvarus, O-Bein (Genu varum), exzessive Pronation, Rückfußvalgus, X-Bein (Genu valgum), exzessive Supination, Hallux valgus, Rotationsdeformitäten der Tibia, Außenrotation des Hüftgelenkes, längerer 2. Zeh gegenüber der Großzehe, Beinlängenunterschiede.
- Zurückliegende Stressfraktur in der Vergangenheit des Sportlers
Wie kann ich einer Stressfraktur vorbeugen?
Nachfolgend allgemeine Tipps aus sportorthopädischer Sicht, um das Auftreten von Stressfrakturen zu vermeiden:
- Rapide Trainingssteigerungen von Umfang und Intensität vermeiden (Richtwert: maximal 10 % Steigerung/Woche). Als Trainingszeit für den ersten Marathon sollten etwa 3 Jahre veranschlagt werden.
- Regenerationsphasen, Trainingsvariation und Trainingsperiodisierung sollten in der Trainingsplanung in der Wochenplanung und im Jahresverlauf berücksichtigt werden (Mikro- und Makrozyklus).
- Mit wechselnden Belastungen trainieren und Ausgleichssport betreiben (regelmäßiger begleitender Ballsport senkt das Risiko einer Stressfraktur beim Läufer um 50% (jedes Jahr Ballsport senkt das Risiko um 13%), auch Kraftsport ist gut geeignet.
- Mindestens 30 Minuten Sonnenlichtexposition von Armen und Gesicht täglich (über 60% der Deutschen gelten im Winter als mangelhaft mit Vitamin D versorgt, da nicht ausreichend Sonneneinstrahlung auf die Haut erfolgt). Falls keine ausreichende Sonnenlichtexposition erfolgen kann: Nahrungsergänzung von 1000 I.E. Vit D³ als Kapsel täglich (oder Äquivalenzdosis pro Woche oder Monat).
- Aufnahme vom 1000mg Kalzium täglich über die Nahrung(z.B. 1 Liter Milch täglich)
- Läufer sollten den Laufuntergrund und den Laufschuh variieren (2 verschiedene Paare abwechselnd verwenden). Ein Paar Laufschuhe sollte für maximal 800 km (500 Meilen) genutzt werden. Wichtiger als der Kaufpreis des Laufschuhs ist das regelmässige Wechseln (alle 800 km).
- Keine unkritische Verwendung pronationsgestützer Laufschuhe. Um eine altersunentsprechende Pronationsneigung zu beurteilen bedarf es einer orthopädischen, sportphysiotherapeutischen oder orthopädietechnischen Ausbildung. Dies kann nur selten im Schuhfachhandel geleistet werden. Die allermeisten sogenannten „Überpronierer" sind mit einem mittelgradig gedämpften Neutralschuh am besten beraten; die Fußbettung kann man hier ggf. durch eine Sporteinlagenversorgung optimieren.
- Aufklärung von Eltern sporttreibender Kinder, Lauftreffleitern, Trainern, Sportlehrern und Athlet/innen über die Bedeutung von Training, Hormonstatus (regelmässige Regelblutung), Essstörungen, Vit.D-Status und Knochendichte. Regelmässiges Aufwärmen und Stretching (v.a. Prävention von Schienbeinfrakturen) Rechtzeitige Erkennung und ggf. Korrektur (z.B. Lastumverteilung durch Einlagenversorgung) orthopädischer Risikofaktoren durch den Sportorthopäden.
Dies können beispielsweise sein:
- Hohlfuß: bestmögliche Dämpfung durch den Laufschuh
- Einlagenkorrektur bei Rückfußvarus, Genu varum und exzessiver Pronation
- Einlagenkorrektur bei Rückfußvalgus, Genu valgum und exzessiver Supination
- Hammerzehe (Hallux valgus) (Einlage)
- Rotationsdeformitäten des Schienbeines (Einlage)
- Außenrotation des Hüftgelenkes (Einlage)
- längerer II. Zeh gegenüber der Großzehe (Einlage)
- Ausgleich von Beinlängendifferenzen
Die Bedeutung von ausreichend Trainingspausen und Regenerationszeiten ist in der Vorbeugung von Überlastungsfrakturen gerade beim Laufeinsteiger über 35 Lebensjahren sehr hoch einzuschätzen.
Die israelische Armee hat über 25 Jahre alle erdenkbaren Methoden zur Senkung der Häufigkeit von Stressfrakturen bei jungen Armeerekruten untersucht. Weder Schuhveränderungen (Einlagen, speziell Dämpfungstechniken, Pronationsstützen, etc.) noch die vorbeugende Einnahme von Osteoporosemedikamenten konnten die Rate an Überlastungsbrüchen senken.
Lediglich die Garantierung eines Minimums an Schlafzeit und die Herabsetzung der wöchentlichen gesamten Marschzeit während der Infanterieausbildung haben zu 60% weniger Stressfrakturen geführt. Dies unterstreicht die Bedeutung von Regenerationsphasen und von Trainingsperiodisierungskonzepten im Jahresverlauf.
Dr. med. Ralph Schomaker
Arzt für Chirurgie und Unfallchirurgie
Rennarzt des Volksbank Münster Marathons
ZfS - Zentrum für Sportmedizin,
Windthorststraße 35
48143 Münster
ralph.schomaker@zfs-muenster.de
©2010, ZfS GmbH
Deutsch
English


















