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Vom Saulus zum Paulus - und das sofort? Ein Extrem-Wandel der Verhaltensstrukturen kann gefährlich sein. - Dr. Willi Heepe


Vom Saulus zum Paulus - und das sofort? Ein Extrem-Wandel der Verhaltensstrukturen kann gefährlich sein.
©privat

[25.07.2011] - Die Titelzeile geht weit zurück in die christliche Gedankenwelt. In der Apostelgeschichte der Bibel wird der Christenverfolger Saulus bekehrt und schließlich zum Apostel Paulus. Bis auf den heutigen Tag wird mit dieser Redewendung jemand bezeichnet, der seine Ansichten und/oder Verhaltensweisen völlig verändert vom Gegner einer Sache zu dessen Befürworter wird.

Nun ist bekannt, dass Menschen die extreme Verhaltensstrukturen pflegen, dazu neigen, bei einer Änderung ihres Erkenntnisstand sofort auch ihr Verhalten diametral in die entgegengesetzte Richtung zu lenken. Im Bereich des Sportes ist ein solcher Strukturwandel nicht selten. Über einen besonderen Fall aus meiner sportmedizinischen Praxis möchte ich berichten.

Ein 34-jähriger Laufer nimmt an einer Charité-Marathon-Studie teil. Er fällt wegen einer Besonderheit im Elektiokardiogramm auf und stellt sich zur Diagnostik vor. Dabei kommt folgende Vorgeschichte ans Licht: Bis zum 32. Lebensjahr hatte der junge Mann extrem geraucht, Alkohol genossen, Drogen genommen, keinen Sport getrieben. Mit Fug und Recht könnte man sagen, er hat kein Risiko ausgelassen. Dann entdeckte er die Liebe seins Lebens. Es folgt ein Kind und mit diesen geänderten Lebensumständen trat auch ein Gesinnungswandel ein. Alle Risikofaktoren wurden abgehakt und mit dem Laufsport begonnen. Mit der gleichen Intensität, mit der der nun 34-Jährige die Risikofaktoren gelebt hat, läuft er nun. In kürzester Zeit absolviert er seinen ersten Marathon in einer beachtlichen Zeit von knapp über 4 Stunden. Keine Frage, die physischen Voraussetzungen hierzu waren exzellent gegeben. Ein Lauffreund hatte ihm das entsprechende Trainingsprogramm vermittelt. In kürzester Zeit wird der Berlin-Marathon ins Visier genommen und eine Zeit unter vier Stunden angepeilt. Eine bei dieser Vorgeschichte zwingend notwendige medizinische Begleitung erfolgt nicht. Hingegen wird nun eine Leistungsdiagnostik im Sonderangebot wahrgenommen und das Trainingsprogramm wird auf die angepeilt Zeit vermittelt und beraten.

Ich muss es an dieser Stelle deutlich sagen, die Teilnahme an der oben genannten Marathonstudie im Vorfeld des Berlin-Marathons hat möglicherweise Schlimmes verhindert. Bei dieser Untersuchung fiel eine abnorme EKG-Entwicklung unter der Belastung auf. Dem jungen Mann wurde eine medizinische Diagnostik dringend nahegelegt.

Die Ultraschalluntersuchung seines Herzens zeigte dann die ganzen Ausmaße des Gesundheitsschadens. Der Läufer hatte so intensiv trainiert, dass der Herzmuskel sich strukturell nicht mitentwickeln konnte. Er erweiterte sich krankhaft. Die Teilnahme am Berlin-Marathon mit der im Trainingsplan anvisierten Zeit wäre möglicherweise der letzte Lauf seines Lebens gewesen.

Alle Beteiligten, von dem jungen Mann angefangen bis hin zu jenen, die den Trainingsplan aufstellten und begleiteten, hätten bei dieser Risiko-Gemengegelage zunächst eine sorgfältige kardiologische Voruntersuchung durchführen lassen bzw. nahelegen müssen. Erst dann hätte ein behutsam aufbauendes Training erfolgen dürfen.

Deutlicher kann man den Wahnsinn ausschließlich nach Zeiten und Rekorden in kürzester Zeit nicht markieren. Eine Warnung gaht aber auch an die Leistungsdiagnostiker, die ohne medizinischen Hintergrund solchem Verhalten Vorschub leisten. Die Zufallsteilnahme an dieser Studie verhinderte Schlimmeres. Wenn sich jemand vom Saulus zum Paulus wandelt, dann sollte er auch die nötige Zeit dafür mitbringen und entsprechende Schritte gehen.

Dr. Willi Heepe in LAUFZEIT 1/2011

Quelle: germanroadraces.de

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Gesund im Alter: Studie der Sporthochschule Köln - Forschungsgruppe um den Sportmediziner Prof. Dieter Leyk


Leistungseinbußen im mittleren Lebensalter entstehen also nicht primär durch biologische Alterung sondern durch eine inaktive Lebensweise.

[05.07.2011] - Nicht das biologische Alter, sondern eine inaktive Lebensweise ist der Hauptgrund für Leistungseinbußen im mittleren Lebensalter. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschungsgruppe um den Sportmediziner Prof. Dieter Leyk (Deutsche Sporthochschule Köln), nachzulesen in der neuen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes (Heft 46, 2010).

Basis dieser Daten zum Einfluss körperlicher Aktivität/Training auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit sind Analysen der Laufleistungen von über 500.000 Langstreckenläufern im Alter von 20 bis 80 Jahren (bei Halb-/Marathonwettbewerben). An den darüber hinausgehenden Befragungen zu Alltagsgewohnheiten, Gesundheit, Arbeit, Motivation zum Sporttreiben und zum Training nahmen mehr als 13.000 Sportler teil.

Die Analysen von über 900.000 Laufzeiten zeigen, dass vor dem 55. Lebensjahr keine signifikanten Leistungsverluste auftreten. Etwa ein Viertel der 60- bis 70-jährigen Seniorensportler/innen ist sogar schneller als die Hälfte der 20- bis 50-Jährigen.

Ein anderes verblüffendes Ergebnis ist die große Zahl der über 50-jährigen Sport-Neueinsteiger: Ein Drittel der 50- bis 60-Jährigen und ein Viertel der 60- bis 70-Jährigen haben erst innerhalb der letzten fünf Jahre mit regelmäßigem Training begonnen. Bei der seit 2005 laufenden PACE-Studie wurden körperlich aktive und inaktive Erwerbstätige, Rentner wie auch sportlich aktive Vergleichsgruppen (z.B. Läufer, Walker, Radsportler, Schwimmer, Turner, Krafttrainierte) untersucht.

Leistungseinbußen im mittleren Lebensalter entstehen also nicht primär durch biologische Alterung sondern durch eine inaktive Lebensweise. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die zunehmend inaktivere und alternde Gesellschaft und die Rente mit 67 heißt das: Auch ältere Nicht-Sportler/innen können durch regelmäßiges Training bemerkenswerte Leistungssteigerungen und eine Vielzahl gesundheitlich positiver Effekte erzielen.

Weitere Informationen über die Studie gibt es online unter www.dshs-koeln.de/pace oder auch unter www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=79248 .

Quelle: germanroadraces.de

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