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SOEP-Studie: Nur die Gesunden treiben Sport
[28.02.2012] - Egal ob Herzsportgruppe, Nordic Walking oder Rückenschule – Sport fördert die Gesundheit. Das Problem dabei: Gerade Menschen, die etwas für ihre Gesundheit tun müssten, zieht es relativ selten in die Turnhallen. „Je weniger zufrieden Männer und Frauen mit ihrer Gesundheit sind, desto seltener treiben sie Sport“, sagt die Heidelberger Soziologin Simone Becker. Das ist das Ergebnis ihrer kürzlich als 400. SOEPpaper veröffentlichten Studie.

1925 wurde das DIW Berlin als Institut für Konjunkturforschung gegründet. Seit 1982 wird auch die Forschungsinfrastruktureinrichtung SOEP, eine Langzeitstudie am DIW Berlin, gefördert. Seinen Sitz hat das DIW seit seiner Gründung in Berlin. Als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft wird das DIW Berlin überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert.
Die SOEP-Daten zeigen: Im Laufe des Lebens lässt die Gesundheitszufriedenheit der Deutschen immer mehr nach. Gleichzeitig geht die sportliche Aktivität zurück. Zwar ist der Anteil der Deutschen, die mindestens einmal pro Woche Sport treiben, in den vergangenen 15 Jahren um 16 % gestiegen. Aber mit zunehmendem Alter zieht es die Deutschen immer seltener in die Turnhallen. „Je weniger zufrieden Männer und Frauen mit ihrer Gesundheit sind, desto eher geben sie frühere sportliche Aktivitäten auf“, sagt Simone Becker. „Und desto seltener beginnen sie damit, regelmäßig Sport zu treiben.“
Die Folge: Im Alter von 18 Jahren treiben knapp 70 % der Männer und 42 % der Frauen wöchentlich Sport. Mit 35 Jahren zieht es etwa ebenso viele Frauen wie Männer, nämlich jeweils ca. 30 %, auf die Sportplätze. Unter den älteren Menschen ab 68 Jahren sind es nur noch jeweils 18 % der Frauen und Männer.
Warum lässt mit zunehmendem Alter nicht nur die Gesundheitszufriedenheit, sondern auch die Sportbegeisterung nach? „Natürlich kostet es mehr Überwindung Sport zu treiben, wenn man sich nicht fit fühlt“, sagt Simone Becker. Sie kritisiert aber auch das Konzept vieler Präventions- oder Rehabilitationsangebote, wie etwa Herzsportgruppen. „Solche Kurse werden meist nur zeitlich begrenzt angeboten“, so Becker. „Danach haben die Teilnehmer oft keine Möglichkeit mehr, das Training fortzusetzen.“
Für ihre Untersuchung hatte Simone Becker Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ausgewertet, die zwischen 1986 und 2005 erhoben wurden. In den SOEP-Befragungen geben die Befragten auf einer Skala von 0 (gar nicht zufrieden) bis 11 (sehr zufrieden) an, wie zufrieden sie mit ihrer Gesundheit sind. Außerdem geben sie darüber Auskunft, wie oft sie Sport treiben.
Kontakt zur Wissenschaftlerin Dr. Simone Becker: simone.becker@soziologie.uni-heidelberg.de
In der Publikationsreihe „SOEPpapers on Multidisciplinary Panel Data Research” werden ausgewählte wissenschaftliche Studien veröffentlicht, die auf Basis der Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) entstanden sind.
STICHWORT SOEP Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP ist am DIW Berlin angesiedelt und wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz Gemeinschaft (WGL) von Bund und Ländern gefördert. Für das SOEP werden jedes Jahr mehr als 20 000 Menschen in rund 11 000 Haushalten vom Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung befragt. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung und Gesundheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.
Quelle: DIW Berlin
Sport hilft Herz, Hirn und Knochen - 2. Mainzer Gesundheitskongress richtete sich besonders an ältere Menschen - Jochen Dick berichtet
[08.02.2012] - Ab dem 50. Lebensjahr nimmt das Gehirnvolumen eines Menschen jährlich um zwei Prozent ab. 7,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Osteoporose und sind somit für Knochenbrüche besonders anfällig. 44 Prozent aller Todesfälle resultieren aus Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Zahlen sollten den mehr als 100 Teilnehmern des 2. Mainzer Gesundheitskongresses zwar keine Angst machen, sie jedoch für Risiken und Gefahren im Alter sensibilisieren.

Diskutieren unter dem Titel "Für ein gesundes Leben im Alter" (v.l.): Dr. Patrick Ingelfinger, Christine Morgenstern (Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie), LSB-Vizepräsident Dieter Krieger, LSB-Hauptgeschäftsführer Lothar Westram, Kabarettist Herbert Bonewitz und LSB-Präsidentin Karin Augustin.
©C. Palm
Unter dem Titel "Für ein gesundes Leben im Alter" hatten der Landessportbund Rheinland-Pfalz und die Universitätsmedizin Mainz geladen, um einmal mehr die Vorteile einer gesunden und bewegungsorientierten Lebensweise mit ausreichend Sport und bewusster Ernährung herauszustellen.
Auch der Blick in die Zukunft verheißt erstmal nichts Gutes. "Nach derzeitigem Stand wird sich bis zum Jahr 2050 die Zahl der Herzinfarkte in Deutschland verdoppeln", berichtete Prof. Thomas Münzel, Direktor der 2. Medizinischen Klinik und Poliklinik. Der Herzspezialist hat vor sechs Jahren die "Chest Pain Unit" an der Mainzer Uniklinik ins Leben gerufen, die Anlaufstelle und Behandlungszentrum für Patienten mit akuten Brustschmerzen ist. Schnelle Diagnose und schnelle Hilfe – das verspricht die CPU.
Schließlich kann eine rasche Behandlung Leben retten. Laut einer Studie sterben etwa 40 Prozent aller Herzinfarktpatienten noch vor Eintreffen eines Arztes, weil sie zu lange zögern, bevor sie die Notrufnummer wählen. "Entweder wollen sie erst noch einmal abwarten, oder sie spielen die Beschwerden herunter", erklärte Münzel.
In seiner CPU landete vor einiger Zeit auch Herbert Heidel, der Vater des Mainz 05-Managers Christian Heidel. Schweißgebadet sei er nachts aufgewacht, erzählte Heidel senior. Nur kurze Zeit später lag er in der Mainzer Uniklinik, über einen kleinen Schnitt in der Leistengegend wurde ihm ein Herzkatheter eingeführt. "Und schon am nächsten Tag um 16 Uhr habe ich die Klinik wieder verlassen – ohne jegliche Beschwerden oder Schmerzen."
Dass es in vielen Fällen gar nicht so weit kommen muss und dass Sport und Bewegung Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen können, wurde auf dem 2. Mainzer Gesundheitskongress erneut deutlich. "Auch viele Vereine haben ihr Angebot längst um den Gesundheitssport, zum Beispiel den Koronarsport, erweitert", sagte Karin Augustin, die Präsidentin des Landessportbundes. Doch nicht nur das Herz, auch Hirn und Knochen profitieren von sportlicher Betätigung. "Für die geistige Leistungsfähigkeit ist gerade die soziale Komponente von Aktivität, das gemeinsame Sporttreiben in der Gruppe, besonders förderlich", betonte Prof. Andreas Fellgiebel. Der leitende Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie referierte zum Thema "Geistig fit bis ins hohe Alter".
Und dass Sport und Bewegung auch der Knochenkrankheit Osteoporose entgegenwirken kann, stellte Dr. Patrick Ingelfinger heraus. So können sogenannte High-impact-Sportarten, das heißt Sportarten, die mit starken Kräften auf die Knochen wirken wie Basketball, Fußball, Handball oder Volleyball, schon im Kindesalter dem späteren Knochenschwund vorbeugen. "Noch im hohen Alter ist zudem Krafttraining besonders geeignet, um den Verlust der Knochenmasse zu verlangsamen", sagte Ingelfinger. Der wissenschaftliche Assistent an der Orthopädischen Klinik und Poliklinik empfiehlt älteren Menschen, zwei bis drei Mal die Woche zu trainieren, mit 15 Minuten Aufwärmen, 45 Minuten Übungen mit leichten Gewichten und zehn Minuten Entspannung. "Regelmäßiges Training senkt bei Älteren gleichzeitig das Fall- und Sturzrisiko", erläuterte Ingelfinger.
Nach den drei auch für Laien gut verständlichen Vorträgen warf der bekannte Mainzer Kabarettist Herbert Bonewitz einen nicht ganz ernst gemeinten Blick auf die Medizin. Er selbst betreibe regelmäßig Krafttraining, etwa beim "Halbe heben oder Fleischwurst stemmen".
Auch bei der Vorsorge hält sich Bonewitz genau an die Vorgaben seines Hausarztes: "Er hat mir täglich ein Glas Wein empfohlen. Über die Größe des Glases hat er nichts gesagt…"
Entsprechend gut gelaunt nahmen die Kongress-Teilnehmer die Praxis-Angebote am Nachmittag wahr. Neben Atemvolumentests und Stabilisationsübungen standen Vorträge über Rückenschule und Sturzprophylaxe auf dem Programm. Außerdem konnten sich die Besucher an der Ausstellermesse über gesunde Ernährung und Gesundheitssport-Angebote in der näheren Umgebung informieren.
Ganz zur Freude von Christine Morgenstern, die in Vertretung von Malu Dreyer, der rheinland-pfälzischen Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie, in die Uniklinik kam. "Dieser Kongress hat gezeigt, was uns gut tut. Und das geschah nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit der Betonung auf den Mehrwert von Sport und Bewegung."
Jochen Dick - Landessportbund Rheinland-Pfalz
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