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Deutsche Laufveranstalter künftig mit neuer Rechtsform

[30.11.2010] Horst Milde zum Vorsitzenden gewählt - Corinna Harrer und Tom Gröschel mit dem GRR-Nachwuchs-Förderpreis ausgezeichnet – Uliczka-Trainer Andreas Fuchs erhält GRR-Trainerpreis – Fachthemen bestimmen neben der Vereinsgründung die zweitägige Tagung in Lindau am Bodensee


Vollzogener Wechsel von der vor nunmehr fünfzehn Jahren gegründeten „Interessengemeinschaft der deutschen Läufe“ hin zum „e.V.“

Die deutschen Laufveranstalter haben auf der Jahrestagung von German Road Races (GRR) im historischen Rathaus in Lindau am Bodensee eine neue Rechtsform beschlossen. „Als eingetragener Verein sind wir in vielen Dingen einfach handlungsfähiger und bewegen uns künftig nicht mehr in einem rechtsunsicheren Raum“ freut sich Horst Milde über den vollzogenen Wechsel von der vor nunmehr fünfzehn Jahren gegründeten „Interessengemeinschaft der deutschen Läufe“ hin zum „e.V.“ Bei den Vorstandswahlen wurde der langjährige Veranstaltungschef des Berlin-Marathon zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Auch die bisherigen GRR-Sprecher Derk Kogelheide (Berlin/ Zweiter Vorsitzender), Wilfried Raatz (Darmstadt/ Mannheim/ Zweiter Vorsitzender), Sascha Wiczynski (Paderborn/ Kassenwart) und Bernd Düngen (Duisburg/ Beisitzer) wurden in den Vorstand gewählt. Für den nicht mehr kandidierenden Dr. Ralph Schomaker rückt der Veranstaltungsleiter des Volksbank Münster-Marathon, Michael Brinkmann, als Beisitzer in den Vorstand von German Road Races.

Im Schwerpunktthema „Der Tradition verpflichtet und/oder der Zukunft zugewandt“ setzten sich die Delegierten der GRR-Veranstaltungen in einer lebhaften Diskussion mit Experten nicht nur mit den 2010 allseits festgestellten leicht rückläufigen Teilnehmerzahlen auseinander, sondern auch mit der wachsenden Konkurrenz durch Firmen- und Funläufe, die ohne Zeitmessung durchgeführt werden und keinen Wettkampfcharakter aufweisen, und informierten sich über neue Werbe- und Marketingstrategien im Eventbereich.

Im medizinischen Bereich sieht GRR in der Standardisierung der medizinischen Gefahrenabwehr bei Straßenläufen ein wichtigen Schwerpunkt der Arbeit, der von GRR entwickelte „Gesundheits-Check“ wird den Veranstaltern künftig in einer überarbeiteten Version zur Verfügung stehen. Weiterhin arbeitet GRR derzeit zusammen mit der Deutschen Sporthochschule Köln und der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) an einer breit angelegten Datenerhebung bei Marathonveranstaltungen.

Eine stärkere ökologische Ausrichtung als bislang erhofft sich German Road Races künftig bei den 51 Mitgliedsveranstaltungen. Mit dem Referat „Klimaneutralität bei Großveranstaltungen“ stellte Stefan Baumeister, Geschäftsführer von myclimate Deutschland GmbH eine Initiative vor, die vorrangig in der Schweiz bereits starken positiven Anklang gefunden hat, aber inzwischen auch unter deutschen Veranstaltern ein wichtiges Anliegen geworden ist.

Große Aufmerksamkeit unter den Veranstaltern erregten die Beiträge, die sich mit neuen Entwicklungen auf dem Zeitmess-Sektor und Mobiltelefon-Applikationen mit Lauf-Informationen beschäftigten, womit die GRR-Veranstaltungen künftig im Wettbewerb um die Gunst der Läuferinnen und Läufer wesentlich besser gerüstet sein dürften.

Bereits zum siebten Mal hat German Road Races den GRR-Nachwuchs-Förderpreis vergeben. Als Preisträger 2010 wurden dabei die 19jährigen Corinna Harrer (LG Telis Finanz Regensburg) und Tom Gröschel (LAV Rostock) gewählt. Mit vier Titeln, Rang vier bei den Cross-Europameisterschaften und Rang sechs der U 20-Weltmeisterschaften über 800 m ist die Regensburgerin die überragende Läuferin der Saison 2010 und wurde zurecht nach 2009 erneut mit dem GRR-Nachwuchspreis ausgezeichnet. Gröschel ist der deutsche 5000 m-Jugendmeister und wird von Klaus-Peter Weippert trainiert, dem GRR-Trainerpreisträger 2006. Der GRR-Trainerpreis für verdiente Trainer und Übungsleiter geht in diesem Jahr an Andreas Fuchs (TSV Kronshagen), den langjährigen Trainer von Steffen Uliczka, dem dreifachen deutschen Hindernismeister und Siebten der Europameisterschaften.

Auf großes Interesse stößt nach Auffassung des GRR-Vorstandes die überaus aktuell gestaltete Website, die sich seit wenigen Jahren zu d e r Läuferplattform entwickelt hat, sowie das Mitte Dezember in Zusammenarbeit mit dem mit dem Laufmagazin „aktiv laufen“ herausgegebene GRR-Magazin „road races“.

Vergeben wurden in Lindau mit den Tagungsorten Münster/Westfalen (2011), Bräunlingen (2012) und Berlin (2013) auch die Mitgliederversammlungen der nächsten drei Jahre.

Wilfried Raatz
GRR-Pressesprecher
Darmstadt, 29.11.2011

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Pamela Jelimo will 2011 an beste Zeiten anknüpfen

[29.11.2010] Vor zwei Jahren war sie der Shooting-Star der internationalen Leichtathletik. Doch 2009 und 2010 lief es gar nicht mehr für Pamela Jelimo. Jetzt aber gibt sich die Kenianerin wieder optimistisch. Die 800-m-Olympiasiegerin von Peking 2008 will 2011 bei den Weltmeisterschaften im koreanischen Daegu die Goldmedaille gewinnen.


Pamela Jelimo lief in der Saison 2008 weit vor der Konkurrenz. Im nächsten Jahr soll das wieder so sein.
Foto: www.photorun.net

Als Nobody war Pamela Jelimo im Frühjahr 2008 von einem großen Sieg zum nächsten gestürmt. Fünfmal stellte die damals 18-Jährige einen Juniorinnen-Weltrekord über die 800-m-Distanz auf und wurde mit einer Bestzeit von 1:54,01 Minuten zur drittschnellsten Läuferin aller Zeiten. So schnell wie die junge Kenianerin war seit 25 Jahren keine andere 800-m-Läuferin gerannt. Sogar der Weltrekord von 1:53,28 Minuten schien in Reichweite zu sein. Doch für die Golden League-Siegerin und Olympiasiegerin, die damals in ihrer ersten 800-m-Saison alle ihre Rennen gewann, ging es 2009 nicht voran.

Bei den Weltmeisterschaften in Berlin 2009 gab Pamela Jelimo aufgrund einer Knieverletzung im Halbfinale auf. Doch es war schon vorher zu erkennen, dass sie längst nicht mehr in jener Topform war wie noch 2008. Der hohe Erwartungsdruck in der Heimat sowie weitere Verletzungsprobleme kamen erschwerend hinzu. In dieser Saison lief es für Pamela Jelimo noch schlechter. Über eine Zeit von 2:01,52 Minuten kam sie 2010 nicht hinaus. In Dessau war sogar die deutsche Läuferin Fabienne Kohlmann schneller als Pamela Jelimo, die ihre Saison bald darauf abbrach.

Doch in der Zwischenzeit hat sich Pamela Jelimo offenbar erholt und blickt wieder optimistisch auf die nächste Saison: „Ich fühle mich gut und bin bereit. Ich werde zunächst mit Crossrennen beginnen und sehen wie ich mich über längere Strecken schlage. Ich gehe davon aus, dass ich 2011 Weltmeisterin werde – ein zweiter Platz bei der WM in Daegu wäre eine Enttäuschung für mich. Ich habe mich noch nie so stark und frisch gefühlt wie jetzt“, erklärte die 20-Jährige.

Text: race-news-service.com

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Leonard Komon bricht auch 15-km-Weltrekord

[22.11.2010] Leonard Komon hat auch über die 15-km-Distanz einen Weltrekord aufgestellt. In Holland gewann der Kenianer am Sonntag den Siebenhügellauf in Nijmegen über diese Strecke mit 41:13 Minuten. Erst vor knapp zwei Monaten hatte der 22-Jährige in Utrecht die 10-km-Weltbestmarke gebrochen. Damals lief er 26:44 Minuten. Im März 2008 hatte der damals 20-jährige Komon erstmals für einen Achtungserfolg gesorgt. Damals gewann er die Silbermedaille bei den Crosslauf-Weltmeisterschaften in Edinburgh. Über 10.000 m auf der Bahn hat Komon bisher eine Bestzeit von 26:57,08 Minuten.


Leonard Komon, hier bei seinem Sieg bei den Asics Grand 10 in Berlin im Oktober, stellte einen Weltrekord über 15 km auf.
Foto: Asics Grand 10 / Jürgen Engler

Nach den ersten fünf Kilometern war das Tempo auf der welligen Strecke noch etwas außerhalb des Weltrekord-Fahrplans. Eine Gruppe von Läufern passierte diese Marke nach 14:01 Minuten. Als dann Leonard Komon die Pace forcierte, war er jedoch bald alleine an der Spitze. Nach 27:39 Minuten erreichte er Kilometer 10 und führte bereits mit einem Vorsprung von 19 Sekunden auf Aberu Kuma (Äthiopien). Leonard Komon konnte das hohe Tempo bis ins Ziel halten und verbesserte damit die bisherige Bestzeit um 16 Sekunden. 2001 war der Kenianer Felix Limo beim Siebenhügellauf 41:29 Minuten gelaufen. Im vergangenen Jahr stellte der Äthiopier Deriba Merga in Ras Al Khaimah (Vereinigte Arabische Emirate) diesen Rekord im Rahmen eines Halbmarathons ein.

Mit deutlichem Abstand hinter Leonard Komon, der im Oktober auch ein 10-km-Rennen in Berlin mit der schnellsten je in Deutschland gelaufenen 10-km-Zeit gewonnen hatte (27:12 Minuten), folgten zwei Äthiopier: Abera Kuma wurde in 42:01 Zweiter, Avele Abshiro belegte Platz drei mit 42:02. Der bisherige Weltrekordler Felix Limo war ebenfalls im Rennen, spielte an der Spitze jedoch keine Rolle. Der Kenianer wurde 19. mit 46:44.

Im nicht ganz so spektakulären Frauenrennen setzte sich Genet Getaneh in 47:54 Minuten ebenfalls souverän durch. Die Äthiopierin erzielte die zweitschnellste Zeit des Jahres über die 15-km-Strecke. Rang zwei belegte die aktuelle Halbmarathon-Weltmeisterin Florence Kiplagat (Kenia) mit 48:08, Dritte wurde Sayo Nomura (Japan) in 49:45.

Text: race-news-service.com

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Haile – läuft er doch noch weiter?

[15.11.2010] Haile Gebrselassie wird seine glanzvolle Karriere doch fortsetzen. Dies bestätigte er inzwischen via Twitter. Vor acht Tagen hatte der Äthiopier in New York überraschend das Ende seiner Laufbahn verkündet und war dann schnurstracks zurück nach Addis Abeba geflogen.


Setzt Haile Gebrselassie seine Karriere doch noch fort?
Foto: www.photorun.net

Eine Reihe von Personen aus seinem Umfeld sprachen in der Zwischenzeit mit dem 37-Jährigen und haben ihn offenbar überzeugt, die Entscheidung rückgängig zu machen. Haile Gebrselassie war am 7. November verletzungsbedingt nach 25 km beim New York-Marathon aus dem Rennen gegangen. Danach erklärte er seine Karriere für beendet. Selbst seine engsten Vertrauten wussten von nichts. In den vergangenen Tagen sprachen unter anderen sein holländischer Manager Jos Hermens sowie Mitglieder des Betreuer-Teams mit dem zweifachen 10.000-m-Olympiasieger und Marathon-Weltrekordler (2:03:59 Stunden in Berlin 2008). Auch einflussreiche Funktionäre wie der London-Marathon-Chef David Bedford kontaktierten Haile Gebrselassie und versuchten, ihn zur Fortsetzung seiner Karriere zu bewegen.

In den vergangenen Tagen hat Haile Gebrselassie dann seine Rücktritts-Entscheidung überdacht, nachdem er über Twitter zunächst erklärt hatte: „Was für ein enttäuschendes Wochenende – ich hatte nicht geplant, so nach Äthiopien zurückzukehren. Ich wollte in New York gewinnen. Jetzt ist es Zeit, über viele Dinge nachzudenken. Ich liebe das Laufen nach wie vor. Ich werde immer laufen. Gebt mir etwas Zeit, über die Dinge noch einmal nachzudenken.“

Am Sonntag erklärte er im Rahmen eines Straßenlaufes in Äthiopien bereits, dass er entschieden habe, seine Karriere doch fortzusetzen. Heute bestätigte Haile Gebrselassie dies über Twitter: „Zunächst möchte ich allen danken für die Unterstützung und die Reaktionen. Nachdem ich einige Tage auf dem Land verbracht habe, habe ich Entscheidungen getroffen. Laufen ist in meinem Blut und ich habe entschieden, weiter zu rennen. Mein Statement in New York war meine erste Reaktion nach einem enttäuschenden Rennen. Wenn mein Knie wieder in Ordnung ist, werde ich mich auf das nächste Rennen vorbereiten. Vielen Dank noch einmal für die Unterstützung!“ Für den 27. Februar hatte Haile Gebrselassie vor seinem Rücktritt bereits eine Startzusage für den Tokio-Marathon gegeben. Diese dürfte er nun einhalten. Zudem ist der olympische Marathon in London 2012 nun wieder das große Ziel von Haile Gebrselassie.

„Ich habe mich heute morgen mit Haile getroffen und nachdem er sorgfältig die Situation abgewogen hatte, entschied er doch weiter zu machen“, sagte Jos Hermens am Montag. Der Manager fügte erklärend hinzu: „Er war in New York sehr emotional, als er die Rücktrittsentscheidung getroffen hatte. Nachdem er mit seiner Familie und engen Freunden gesprochen hatte, wollte er weiterlaufen. Er hat auch gemerkt, dass er nicht so einfach ,Auf Wiedersehen’ sagen kann zu dem Sport, der sein Leben ist. In New York fühlte er sich am Boden und hatte das Gefühl, dass er die Organisatoren und die Menschen, die ihn in aller Welt unterstützen, enttäuscht hatte. Er sagte sich: Muss ich mit 37 Jahren täglich noch so hart trainieren? Aber tief in seinem Herzen wusste er, dass er immer laufen wird – das ist in seinem Blut. Er weiß, dass er eines Tages aufhören muss, aber zurzeit weiß er nicht, wann das sein wird. Haile weiß, dass es für die Menschen in Äthiopien wichtig ist, dass er weiter läuft – sie bereiteten ihm einen großen Empfang als er aus New York zurückkam und baten ihn, nicht aufzuhören. Haile will in der Zukunft ein Symbol bleiben und will den Youngstern, die ihn als Vorbild sehen, Hoffnung machen.“

Währenddessen startete der internationale Leichtahtletik-Verband (IAAF) auf seiner Internetseite iaaf.org eine noch nicht abgeschlossene Umfrage, in der es darum geht, den besten Läufer aller Zeiten zu benennen. Hier führt Haile Gebrselassie zurzeit mit 43 Prozent der Stimmen vor der finnischen Läufer-Legende Paavo Nurmi (33 %). Dritter ist Kenenisa Bekele (Äthiopien/10 %), auf Rang vier folgt Emil Zatopek (Tschechische Republik/8 %).

Text: race-news-service.com

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Haile gibt auf und beendet Karriere, Gebremariam und Kiplagat siegen in New York

[08.11.2010] Der Sonntag in New York war ein schwarzer Tag für Haile Gebrselassie und alle seine Fans: Erst endete der Traum vom Sieg in Big Apple für den Superstar bei Kilometer 25, als er humpelnd aus dem Rennen ging, dann beendete der Äthiopier seine Karriere. Wie ein Schock wirkte diese Nachricht, die der 37-jährige Haile Gebrselassie nach dem New York-Marathon während einer Pressekonferenz verkündete. Ein Landsmann und Fast-Namensvetter sprang dann in die Bresche und sorgte für etwas Trost für Äthiopien: Gebre Gebremariam gewann den 41. New York-Marathon in 2:08:14 Stunden. Damit lief der 26-Jährige ein perfektes Debüt über die klassische Distanz und erzielte bei guten Wetterbedingungen die fünftschnellste je in New York gelaufene Zeit. Schnellste Frau war etwas überraschend Edna Kiplagat. Die Kenianerin siegte in 2:28:20 Stunden. Die Rekordzahl von 45.344 Läufern war in New York am Start.


Edna Kiplagat feiert den größten Sieg ihrer Karriere.
Foto: www.photorun.net

Die Frauen-Eliteläuferinnen rennen in New York stets ihr eigenes Rennen, indem sie 35 Minuten früher als das große Feld starten. Sehr lange Zeit blieb dieses Mal eine große Zahl von Athletinnen in der Führungsgruppe zusammen, was allerdings auch am langsamen Anfangstempo lag. Erst nach 35:57 Minuten waren die ersten 10 km gelaufen – ein Tempo, das auf eine Endzeit von rund 2:32 Stunden hinführt. Danach wurde es etwas schneller und die Halbmarathonmarke war nach 1:15:44 erreicht.

Doch keine der Favoritinnen forcierte in der Folge ernsthaft das Tempo, was vielleicht auch daran lag, dass zwei hoch eingeschätzte Läuferinnen ihr Debüt auf der schweren, welligen Strecke liefen: Mary Keitany (Kenia), die 25-km-Weltrekordlerin und Halbmarathon-Weltmeisterin von 2009, hielt sich ebenso zurück wie die 10.000-m-Olympiadritte von Peking 2008, Shalane Flanagan (USA). Noch acht Kilometer vor dem Ziel waren zehn Läuferinnen in der Spitzengruppe, was sehr ungewöhnlich ist im Marathon. In der Zwischenzeit war Shalane Flanagan allerdings immer wieder ganz vorne zu sehen und an der 35-km-Marke machte dann Mary Keitany Tempo. Die Kenianerin riss damit die Führungsgruppe auseinander, doch Flanagan und Edna Kiplagat wurde sie nicht los. Vier Kilometer lief dieses Trio gemeinsam an der Spitze, dann verlor Shalane Flanagan den Anschluss. Kurz vor Kilometer 40 fiel dann überraschend die Entscheidung zugunsten von Edna Kiplagat. Die Kenianerin setzte sich von ihrer völlig entkräfteten Landsfrau ab und siegte in 2:28:20. Mary Keitany fiel schließlich noch auf Rang drei hinter Shalane Flanagan (2:28:40) zurück und musste sich bei ihrem Marathondebüt mit 2:29:01 zufrieden geben. Eine flachere Strecke wäre der 25-km-Weltrekordlerin vielleicht mehr entgegen gekommen. Die nächsten Plätze gingen an nicht-afrikanische Läuferinnen: Inga Abitova (Russland/2:29:17) wurde Vierte vor Kim Smith (Neuseeland/2:29:28), Christelle Daunay (Frankreich/2:29:29) und Ludmila Petrova (Russland/2:29:41). Titelverteidigerin Derartu Tulu (Äthiopien) kam nicht über Rang 14 in 2:32:46 hinaus und die Boston-Siegerin des vergangenen Jahres, Salina Kosgei (Kenia), belegte Platz 16 mit 2:34:14.

„Das Tempo war lange Zeit ein bisschen langsam. Nach 32 Kilometern wurde es etwas schneller. Als ich dann zwei Meilen vor dem Ziel antrat, merkte ich, dass ich mich lösen kann“, sagte Edna Kiplagat, die in den vergangenen Jahren mit einer Reihe von Erfolgen bei großen US-Straßenläufen auf sich aufmerksam gemacht hatte. Im Marathon spielt sie allerdings erst seit diesem Jahr eine Rolle. Im Frühjahr gewann sie in Los Angeles mit 2:25:38 Stunden. Jetzt lief sie zum größten Erfolg ihrer Karriere, für den sie 135.000 Dollar kassierte.


Gebre Gebremariam gewinnt sein Marathondebüt in New York.
Foto: www.photorun.net

Auch das Männerrennen war lange Zeit nicht von besonderem Tempo geprägt. Nach 65:22 Minuten erreichte eine rund 15-köpfige Führungsgruppe die Halbmarathonmarke. Noch lief Haile Gebrselassie scheinbar locker mitten in der Führungsgruppe. Doch dieser Eindruck täuschte offenbar. Der äthiopische Marathon-Weltrekordler (2:03:59 Stunden in Berlin 2008) kam bei seinem New York-Marathon-Debüt nicht einmal bis Manhattan. Beim Rennen durch fünf Stadtbezirke stieg er auf der Queensboro Bridge, die die Läufer nach Manhattan führt, nach rund 25 km aus. Am Tag zuvor hatte sich Haile Gebrselassie bereits skeptisch geäußert. „Ich habe eine Entzündung im Knie, es hat sich Flüssigkeit angesammelt. Das kommt durch die lange Reise nach New York. Es ist kein großes Problem, ich hoffe, dass das Knie hält“, erklärte der Äthiopier. Das rechte Knie hielt nicht, humpelnd verließ Haile Gebrselassie die Strecke und verkündete später das Ende seiner einmaligen Karriere. „Es ist besser jetzt aufzuhören, andere Dinge zu machen und den jungen Athleten den Vortritt zu lassen“, erklärte Haile Gebrselassie, der seinen nächsten Marathon eigentlich Ende Februar in Tokio laufen wollte.

Während Haile Gebrselassie – wenn er es sich nicht noch einmal anders überlegt – einen unwürdigen Abschied erlebte, wurde das Rennen für seinen elf Jahre jüngeren Landsmann Gebre Gebremariam zum Triumphzug. Deutlich schneller war das Tempo in der zweiten Hälfte. Nach rund 30 km hatten sich vier Läufer an der Spitze abgesetzt: Neben Gebremariam waren dies Emmanuel Mutai und Moses Kipkosgei (beide Kenia) sowie Abderrahime Bouramdane (Marokko), der aber bald deutlich zurückfallen sollte und am Ende als Zehnter das Ziel im Central Park erreichte (2:14:07). Gut fünf Kilometer vor dem Ziel war dann auch Kipkosgei geschlagen. Wie bei den Frauen fiel die Entscheidung erst bei Kilometer 40: Dabei löste sich Gebremariam vom erfahrenen Mutai, der eine Bestzeit von 2:06:15 Stunden hat. Über eine Minute Vorsprung lief der Äthiopier noch heraus. In 2:08:14 Stunden lag er deutlich vor Mutai (2:09:18), der bereits in London im April Zweiter war, und Kipkosgei (2:10:39). Abderrahim Goumri (Marokko/2:10:51), James Kwambai (Kenia/2:11:31) und Titelverteidiger Meb Keflezighi (USA/2:11:38) belegten die nächsten Ränge. Der amtierende Marathon-Weltmeisterin Abel Kirui (Kenia) wurde in 2:13:01 Stunden Neunter. Nicht ins Ziel kam der Schweizer Europameister Viktor Röthlin.

„Vor dem Rennen hatte ich gehofft, dass ich überhaupt ins Ziel komme. Meinen ersten Marathon gleich zu gewinnen, macht mich sehr glücklich“, erklärte Gebre Gebremariam, der sich ein Prämie von 170.000 Dollar verdiente. Der Äthiopier war früher ein ausgezeichneter Bahn-Langstreckler und hatte zum Beispiel im olympischen 5.000-m-Finale von 2004 den vierten Platz belegt. Seinen größten Erfolg vor dem Sieg in New York hatte er vor einem Jahr gefeiert, als er Crosslauf-Weltmeister wurde.

Text: race-news-service.com

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Wilson Kipsang: Titelverteidigung und Weltrekordversuch als nächste Ziele

[01.11.2010] Wilson Kipsang wurde beim Commerzbank Frankfurt Marathon am Sonntag zum achtschnellsten Marathonläufer aller Zeiten. Und der 28-jährige Kenianer hat das Rennen mit seiner Sensationszeit von 2:04:57 Stunden in der internationalen Rankingliste ganz weit nach vorne katapultiert. „Ich war zuversichtlich, denn ich hatte sehr hart trainiert. Ich wusste, dass ich alles gemacht hatte, um hier zum Erfolg zu kommen“, erklärt Wilson Kipsang.


Die Entscheidung in Frankfurt: Wilson Kipsang (rechts) löst sich fünf Kilometer vor dem Ziel von Tadese Tola (Äthiopien).
Foto: www.photorun.net

Wilson Kipsang wurde beim Commerzbank Frankfurt Marathon am Sonntag zum achtschnellsten Marathonläufer aller Zeiten. Und der 28-jährige Kenianer hat das Rennen mit seiner Sensationszeit von 2:04:57 Stunden in der internationalen Rankingliste ganz weit nach vorne katapultiert. „Ich war zuversichtlich, denn ich hatte sehr hart trainiert. Ich wusste, dass ich alles gemacht hatte, um hier zum Erfolg zu kommen“, erklärt Wilson Kipsang.

Hartes Training mit wöchentlichen Kilometerleistungen zwischen 140 und 200 bildet die Grundlage für den Erfolg von Wilson Kipsang. Um allerdings überhaupt erst in die Lage zu kommen, bei großen Straßenrennen außerhalb Kenias an den Start zu gehen, dazu brauchte er auch Glück.

Wilson Kipsang ist rund 50 km von Iten als Kind einer Farmerfamilie aufgewachsen. Iten ist ein Zentrum für kenianische Weltklasseläufer. Doch im Gegensatz zu dem hoch liegenden Ort wuchs Kipsang in seiner Kindheit im Tal auf und profitierte in dieser Zeit nicht von der leistungsfördernden Höhenluft. Er ist als Kind auch nicht weit gelaufen. „Ich habe erst in der Oberschule bei Wettkämpfen gemerkt, dass ich Talent habe“, erzählt Wilson Kipsang.

Doch es dauerte noch einige Jahre, bevor der Kenianer mit richtigem Training begann. Nach der Schule arbeitete er zunächst als Zwischenhändler von Farm-Produkten. „Doch nach drei Jahren wollte ich das nicht mehr machen“, erzählt Wilson Kipsang, der dann in Iten mit dem Lauftraining begann. „Ich war damals 21 Jahre alt und wollte es mit dem Laufsport versuchen. Ich kannte andere Läufer, die in Iten trainierten.“ Es war damals das Jahr 2003 und Paul Tergat brach in Berlin den Marathon-Weltrekord. „Das war eine große Motivation für viele kenianische Läufer“, sagt Wilson Kipsang. Bis auf zwei Sekunden kam der 28-Jährige nun beim Commerzbank Frankfurt-Marathon an den früheren Weltrekord von Paul Tergat (2:04:55) heran, der auch ihn damals motivierte.

Bei kenianischen Läufen hatte Wilson Kipsang bald Erfolg. Doch er hatte keinen Manager. Über Trainingspartner lernte er dann den Holländer Gerard van de Veen kennen. Mit etwas Glück bekam er dann die Chance, sein Talent bei einem Rennen in Europa unter Beweis zu stellen. Ein für den Jever Fun-Lauf verpflichteter Kenianer fiel 2007 verletzt aus und so schickte van de Veen kurzfristig Wilson Kipsang in das 10-Meilen-Rennen. Ein anderer Athlet des Holländers hatte ihm gesagt, dass Kipsang gut in Form sei. „Ich hatte Glück und habe meine Chance genutzt.“ Kipsang gewann das Rennen, brach einen alten Streckenrekord und stellte auch noch eine Jahresweltbestzeit auf. Das war der Durchbruch für Wilson Kipsang, der heute mit seiner Frau und den drei kleinen Söhnen in Iten lebt.

Zunächst hatte er beachtliche Erfolge im Halbmarathon. Bereits viermal blieb der Kenianer in diesen Rennen unter einer Stunde, zwei weitere Male verpasste er die prestigeträchtige Marke um lediglich wenige Sekunden. Mit seiner imposanten Bestzeit von 58:59 Minuten, die er im vergangenen Jahr als Zweiter des Rennens von Ras Al Khaimah (Vereinigte Arabische Emirate) aufstellte, ist er heute noch der sechstschnellste Läufer aller Zeiten über diese Distanz. Und nur dieses halbe Dutzend Athleten, darunter Haile Gebrselassie (Äthiopien), Sammy Wanjiru oder Patrick Makau (beide Kenia), hat bisher Zeiten von unter 59 Minuten erreicht.

Einmal startete Wilson Kipsang bisher bei einer großen interkontinentalen Meisterschaft für Kenia. Vor einem Jahr verpasste er bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften in Birmingham die Bronzemedaille nur um acht Sekunden. Er wurde Vierter in 60:08 Minuten. Im April lief Wilson Kipsang dann ein glänzendes Marathon-Debüt. Er wurde mit 2:07:10 Stunden Dritter beim Paris-Marathon. Aufgrund seiner Vorleistungen war klar, dass er in der Lage sein könnte, den bisherigen Frankfurter Kursrekord seines Landsmannes Gilbert Kirwa (2:06:14 vor einem Jahr) zu knacken. Bei den sehr guten Wetterbedingungen rannte Wilson Kipsang sogar gleich unter 2:05 Stunden.

Wilson Kipsang ist nun ein weiterer Kenianer, dem man zutrauen kann, auch den derzeitigen Weltrekord von Haile Gebrselassie (Äthiopien/2:03:59) zu brechen. „Ich will noch dichter an den Weltrekord herankommen und versuchen, ihn zu brechen“, sagt Wilson Kipsang und fügt hinzu: „Ich denke, dass ich auch in Frankfurt den Weltrekord brechen könnte. Im nächsten Jahr würde ich hier gerne meinen Titel verteidigen.“

Text: race-news-service.com

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